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Erfolge auf Audi

Schon 1979 hatte Audi Röhrl umworben, aber Röhrl fürchtete noch technische Probleme beim Quattro. 1981 schlug er das Angebot Audis wieder aus (die Quattros fielen noch sehr oft aus) und verärgerte das Werk.
1984 sagte Audi-Chef Ferdinand Piëch: "Der Röhrl kommt ins Haus. Es ist billiger, mit ihm als gegen ihn zu fahren!" Außerdem war Röhrl selber scharf darauf geworden, das Vierradfahren zu probieren. Und schließlich reizte ihn die Nähe zum Audi-Werk, das nur 60 km von Regensburg entfernt ist.
Als er zu Audi kam, waren freilich Peugeot und Lancia mit moderneren Konzepten schon gefährliche Konkurrenten geworden. Röhrl sollte vor allem als Testfahrer fungieren.
Anfangs machte Röhrl das "Links-Bremsen" (das "Lenken mit dem Bremspedal") etwas zu schaffen.
Aber schon bei der Rallye Monte Carlo hatte er den Quattro im Griff und geriet ins Schwärmen über die unbeschreibliche Traktion des Autos. Seitdem ist Vierradfahren das Größte für ihn. Die Monte beendete er mit seinem vierten Sieg auf dieser Strecke, den er auch heute noch als einen der Höhepunke seiner Laufbahn ansieht. Jetzt waren die letzten Zweifel an sich selbst überwunden: Er hatte die seiner Meinung nach Größten im Rallyesport (Hannu Mikkola, Markku Alen, Björn Waldegard und jetzt Stig Blomqvist ("den schnellsten Mann auf Schnee und Eis") auf jeweils gleichem Material besiegt.
Aber mit der Korsika-Rallye begann seine Pech-Serie: Hier und auf den nächsten Rallyes in diesem Jahr fiel er jeweils aus - meist wegen technischen Defekten des neuen schwer kontrollierbaren "Kurzen", des Sport quattro, oder auf der Rallye San Remo mit einem furchtbaren Abflug (mehrfache Rolle aus hoher Geschwindigkeit infolge Aquaplanings).
Obwohl Peugeot und Lancia ihm neue Angebote unterbreiteten, blieb er bei Audi.
1985 setzte Audi weiter den Sport quattro ein. Fast hätte Röhrl zum fünften Mal die Monte gewonnen. Aber auch ein zweiter Platz hinter Ari Vatanen mit seinem hoch überlegenen Peugeot 205 war eine Superleistung.
In Portugal wollte er unbedingt Timo Salonen auf seinem Peugeot bezwingen. Anfangs hatte er auch 6 Minuten Vorsprung, aber die Prüfungen in Arganil (auf denen Röhrl früher seine Glanzleistungen erbracht hatte) ruinierten Getriebe und Reifen. So blieb nur der 3. Platz.

Auf Audi quattro in Portugal (Foto: Ferdi Kräling)

In Schweden, auf Korsika und in Griechenland hielt der Sport quattro wieder nicht durch und auch in Neuseeland machte die Motorelektrik einen Strich durch die Rechnung (trotzdem wurde Röhrl dort Dritter).
Bei der Rallye San Remo wurde zum ersten Mal der Sport quattro S1 eingesetzt, eine gelungene Weiterentwicklunng des "Kurzen".
Röhrl fuhr 29 Bestzeiten auf 45 Prüfungen und gewann vor Salonen.

Der Sport quattro S1 (Foto: Ferdi Kräling)

Das neue Auto war mit 530 PS ein echtes Geschoss: Beschleunigung in 1 sec. von 0 auf 40 km/h (auf 5,9 Meter); von 0 auf 100 in 2,6 sec. (41,9 Meter); von 0 auf 200 in 10 sec. (auf 359 Meter), ausfahrbar auf 8600 U/min. Es verlangte ein eckiges Fahren mit harten Richtungswechseln. Röhrl-Originalton: "Der S1 war das wahnsinnigste aller meiner Autos. Bei der Fahrt fühlte ich mich wie beim Ritt auf der Gewehrkugel. Ich schoss mich wie ein Querschläger von Kurve zu Kurve". Röhrls Ehrgeiz war es, die Urgewalt dieses Autos perfekt zu beherrschen.
Freilich gelang das nicht bei der RAC-Rallye, wo er auf Grund einer optischen Täuschung einen schlimmen Abflug erlebte.
1986 reichte es bei der Rallye Monte Carlo nur zu einem vierten Platz (Motorprobleme, Reifenschäden...)
Und dann kam die unheilvolle Portugal-Rallye, bei der ein Auto in die Zuschauer raste und Menschen starben. Röhrl hatte schon seit langem gegen die Verrücktheit zu waghalsiger Fans protestiert. Jetzt meinte er ein Zeichen setzen zu müssen: Mit dem Einverständnis der Audi-Werksleitung brach er das Rennen ab - und die anderen Fahrer schlossen sich an und bestimmten ihn zu ihrem Sprecher.
Bei der Korsika-Rallye kam es noch schlimmer: Henri Toivonen und sein Beifahrer Sergio Cresta verbrannten in ihrem Lancia.
Drei Wochen darauf beschloss die FIA, ab 1987 nur noch die Gruppe A zuzulassen.
Audi zog sich sofort zurück, obwohl ein neues konkurrenzfähiges Auto mit Mittelmotor schon fertig war, das Röhrl nur einmal testen konnte.
1987 musste Audi den 200 quattro einsetzen, ein sehr schweres und verhältnismäßig lahmes Auto. Gegen den Lancia Delta HF 4 WD hatte es von Anfang an keine Chance.
Röhrl versuchte sein Möglichstes: Bei der Monte fuhr er gegen die tricksenden Lancias einen dritten Platz heraus, bei der Safari-Rallye (die ihn mal wieder gewaltig ärgerte) wurde er Zweiter hinter Mikkola, in Griechenland warf ihn ein Motorschaden aus dem Rennen.
Ein Genuss war der "Pikes Peak Race to the Clouds" in Colorado, ein waghalsiges Bergrennen mit ständiger Absturzgefahr (20 km mit 150 Kurven!), in dem er Ari Vatanen mit 7 Sekunden besiegte.

mit dem Sport quattro S1 beim Pikes Peak Hill Climb 1987 (Foto: Ferdi Kräling)

Bei der Hunsrück-Rallye brach Röhrl wegen Schikanen der Polizei ab und reiste heim. Audi warf ihm vor, sich nicht mehr mit dem Unternehmen zu identifizieren.
Die Drei-Städte-Rallye (Nachfolgerin der Bavaria-Rallye, die seine erste Rallye gewesen war) gewann er überlegen. Danach beendete er offiziell seine Rallye-Karriere.
1988 sollte Röhrl die Rennversion des 200 quattro (zuletzt mit 635 PS) in Tests in den USA weiterentwickeln und gelegentlich statt Hans-Joachim Stuck bei der Trans-Am-Championship ein Rennen fahren. Teamkollege neben Stuck war Hurley Haywood.
Vom ersten Rennen an begeisterte er Zuschauer und Fachleute.
In Niagara Falls überrundete Röhrl alle und gewann.
Im Lime Rock Park war der Sieg fast sicher - bis er einen Reifen verlor.
Und auch im letzten Rennen, in St.Petersburg/Florida, siegte er.
1989 war er vor allem Testfahrer, startete aber auch einmal bei der US-IMSA-GTO-Meisterschaft beim 500-km-Rennen in Watkins Glen auf dem Audi 90 quattro (einem Gitterrohr-Auto mit Plastikhaut, 700 PS, 0-100 km/h: 3 sec) - und siegte zusammen mit Stuck.

Audi 90 quattro: 700 PS, 0-100 km/h: 3 sec. (Foto: Ferdi Kräling)

Auch 1990 sollte Röhrl vor allem testen.
Am Norisring erreichte er mit dem riesigen Audi V8 quattro im ersten Lauf den 2., im zweiten den 3. Platz.
Am Nürburgring wurde er im ersten Lauf 8., den zweiten Lauf gewann er.
1991 verging vor allem mit Test- und PR-Arbeit. Nur einmal startete er auf dem Audi V8 quattro am Hockenheimring: 3. im ersten, 4. im zweiten Lauf.
1992 entwickelte Audi zwar den V8 mit einer neuen Kurbelwelle weiter, bekam aber Ärger mit der ONS und stieg zuletzt bei der DTM aus.
Da Röhrl klar war, dass er bei Audi 1993 nicht fahren können würde, er aber nicht Hauptabteilungsleiter werden wollte (wie ursprünglich im Vertrag ausgemacht), verließ er Ende 1992 Audi. Seine Abfindung war sein S1 mit PDK-Getriebe.
Und damit hatte ihn Porsche wieder, obwohl ihn auch Subaru und Mercedes umwarben.