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Genie am Lenkrad

Walter Röhrl gehört unbestritten zu den herausragenden Rallye-Fahrern der Motorsportgeschichte.
Niki Lauda nannte ihn einst "Genie auf Rädern".
In Italien wurde er schon vor längerer Zeit zum "Rallye-Fahrer des Jahrhunderts" gewählt und eine Jury aus 100 Motorsport-Experten aus der ganzen Welt zum "besten Rallye-Fahrer aller Zeiten".
In Frankreich erkoren ihn seine Kollegen im November 2000 zum "Rallye-Fahrer des Millenniums".
Jean-Pierre Nicolas schwärmte von ihm: "Für mich gibt es nur einen einzigen Rallyefahrer auf der ganzen Welt, der jede Rallye ... gewinnen kann - das ist Walter Röhrl. Ob auf Schnee, Asphalt oder Schotter, Walter fährt immer brillant, ist überall unheimlich schnell."

Aber er ist nicht nur Rallyefahrer (zweifacher Rallye-Weltmeister, 4-facher Monte-Carlo-Sieger, insgesamt 14 Rallye-Siege bei WM-Läufen), er war auch erfolgreich in Rundstreckenrennen und hätte auch eine Formel 1-Karriere einschlagen können. Obwohl er - wie wohl kein anderer - immer die Ideallinie anstrebte und die Rundstreckentechnik auf Rallyes zu übertragen versuchte, blieb er doch vor allem dem Rallye-Fahren treu. Er galt als der Perfektionist par excellence unter allen Fahrern.

Dabei hatte er ursprünglich gar nicht beabsichtigt, eine Motorsportkarriere anzusteuern. Nach dem Willen seines Vaters hätte er dessen Beruf (Steinmetz) ergreifen sollen. Mit 16 trat er in die Dienste des Bischöflichen Ordinariats Regensburg (in der Pfründepacht-Stelle). Bald wurde er dort im Außendienst eingesetzt und spulte so im Jahr ca. 120 000 km als 'Bischöflicher Sekretär' und Dienstfahrer seines Chefs, des Rechtsvertreters der bayerischen Bischöfe, im Auto ab.

Sport in vielen Spielarten ist seit Kindheit seine große Leidenschaft: Mit fünf Jahren begann er Skifahren, Im Tischtennis war er bald Stadtmeister bei den Pfadfindern, mit 12 Jahren startete er bereits bei Skirennen (mit 15 war er schon Zweiter bei den Oberpfälzer Ski-Meisterschaften). Er legte die Prüfung zum staatlich geprüften Skilehrer ab und gehörte lange Zeit dem Lehr-Team des Deutschen Skiverbandes an.
Mit 19 begann er zu rudern und wurde durch intensives Training bereits nach einem Jahr Zweiter im Einer bei der Regensburger Stadtregatta (hinter dem deutschen Meister Müßig). Beim Rudern lernte er übrigens auch seine jetzige Frau Monika (geb. Starzinger) kennen.

Durch Zufall kam er zum Motorsport. Ein Freund (Herbert Marecek) überredete ihn, einmal eine Rallye zu probieren (die Rallye Bavaria 1968, bei der er auf einem Fiat 850 Coupé ohne jedes Training startete). Bei der Bavaria-Rallye 1969 verblüffte er bereits alle mit einem zweiten Platz im Gesamtklassement (jetzt auf einem BMW 2002 TI) - wenngleich er nachträglich wegen Auslassens einer unwichtigen Durchgangskontrolle aus der Wertung genommen wurde.

Über Alfa Romeo 1750 und Porsche kam er zu Ford, wo er Werksfahrer wurde. 1971 war er bereits zweiter Deutscher Meister und Gesamtsieger bei der Rallye Wiesbaden (einem Lauf zur Europameisterschaft) - das alles, obwohl er immer noch hauptamtlich beim Bischof angestellt war und kaum trainieren konnte.

Den ganz großen Durchbruch brachte die phantastische Olympia-Rallye 1972, die er lange Zeit anführte - bis ein Motorschaden den Sieg vereitelte. Jetzt wechselte Walter zu Opel, erst zu Irmscher, dann zum "Euro-Händler-Team", in dem er 1974 Europameister wurde.
1975 kam sein erster Sieg bei einer WM-Rallye, der berühmten Akropolis-Rallye (mit 60 Minuten Vorsprung vor dem Zweiten.

Anfang 1978 gab Walter seinen Einstand bei Fiat bei der Rallye Monte Carlo, gewann 10 Sonderprüfungen, bei denen er das Publikum bezauberte - aber Defekte an der Zündanlage und ein den Weg blockierender Team-Kollege vereitelten den Sieg.
Die Akropolis-Rallye (WM-Lauf) brachte den totalen Erfolg (Walter übernahm bereits nach dem ersten Drittel die Führung und gab sie bis zum Ziel nicht mehr ab).

auf Fiat 131 Abarth (ca. 230 PS, 0-100 km/h: 4,5-7 sec.)

Es folgten vier Siege bei der deutschen Rallye-Meisterschaft hintereinander (auf Lancia Stratos) und ein zweiter WM-Sieg beim Criterium de Québec.
Obwohl Toyota und Opel sich um Walter Röhrl bemühten, blieb er auch 1979 und 1980 bei Fiat.
1980 wurde er das erste Mal Fahrer-Weltmeister.

Dann wechselte er zu Mercedes. Aber kaum hatte Röhrl unterschrieben, stieg Mercedes aus dem Rallyegeschäft aus und wollte ihn nur als Testfahrer und im Büro beschäftigen. Das konnte Walter nicht mitmachen.

1981 fuhr er auf Porsche Rallyes und Rennen (Silverstone - wo er Erster wurde - , Nürburgring, Norisring, Diepholz).

1982 fuhr er auf Opel Ascona 400 und wurde zum zweiten Mal Fahrer-Weltmeister.

1983 startete er noch einmal auf Lancia, jetzt auf dem neuen rally 037 - einem der besten Rallye-Autos, die je produziert wurden (mit Kompressor und Mittelmotor). Es war das schönste Motorsportjahr seines Lebens, das er in vollen Zügen genoss.
Obwohl er "nur zum Spass" fuhr, wurde er - mit Siegen in der Rallye Monte Carlo, in Griechenland und in Neuseeland und einem zweiten Platz in San Remo - Zweiter in der Fahrer-WM. Ziemlich sicher wäre er sogar Erster geworden - hätte Lancia ihn nicht zweimal gebremst (zugunsten von Markku Alén) bzw. hätte er am Ende der Saison noch eine Rallye mehr bestritten.

1984 hatte er viel Pech (Ausfälle!) auf Audi quattro und dem Audi Sport quattro. Aber er gewann zum vierten Mal die Rallye Monte Carlo!

1985 wurde er trotz vieler Pannen Dritter in der Fahrer-WM (gegen Ende der Saison konnte er auf dem neuen Sport quattro S1 fahren und wurde prompt Erster in Italien).

1987 fuhr er auf Audi 200 quattro. Seine letzte Rallye (die Drei-Städte-Rallye) beendete er mit einem Sieg.
Einer seiner imponierendsten Siege: 1987 beim berühmtesten Bergrennen der Welt, dem Pikes Peak Hill Climb, von dem das folgende Foto stammt:

mit dem Sport quattro S1 beim Pikes Peak Hill Climb 1987 (Foto: Ferdi Kräling)


Ab 1988 fuhr er fast nur noch Rundstreckenrennen (bis 1991 auf Audi, ab 1993 auf Porsche)

Immer hat er versucht optimal zu fahren. Er galt als der Perfektionist. Die Ingenieure freuten sich auf seine Analysen.
So kam es, dass er sein Können auch auf der Rundstrecke versuchte - und alle verblüffte. Gleich bei seinem ersten Einsatz auf dem Norisring führte er 10 Runden lang vor den gesamten Rundstreckenspezialisten (Heyer, Cheever, Winkelhock, Surer...) und düpierte sie - bis sein Schnitzer BMW 2002 Turbo den Geist aufgab.

Trotzdem interessierte er sich am Anfang nicht sehr für die Rundstrecke, da er den Kampf Mann gegen Mann hasste. Er zog den Kampf gegen die Uhr, den perfekten Ritt im Grenzbereich vor.

Sein schwärzester Tag: Als er bei der Rallye San Remo mit seinem Fiat von der Strecke abkam und auf einem Hausdach landete (da er eine Anweisung seines Beifahrers Christian Geistdörfer falsch verstanden hatte). "Ich habe vier Kilometer bis zum Servicepunkt nur an Selbstmord gedacht."
Einer seiner schönsten Tage: "... mein erster Monte-Sieg. Ich wollte auf Schnee und Aspalt der Schnellste sein. 1980 war ich es..."

Fahrer, die Walter Röhrl besonders schätzte:
Markku Alén, Hannu Mikkola, Juha Kankkunen, Stig Blomqvist, Rauno Aaltonen

Walter Röhrl ist trotz seiner Erfolge ein ganz normaler Mensch geblieben. "Ich brauche keinen Hubschrauber, keine Yacht, kein Haus in Florida. Mir reichen mein Rennrad, eine Tour in den Bayerischen Wald und zehn Mark für eine Brotzeit zum Glücklichsein."

In den 70er Jahren war Walter Röhrl ein passionierter Trial-Fahrer. Dann entdeckte er seine Passion für das Rennrad - auf dem er immer noch mit guten Fahrern mithalten kann. Er war des öfteren Schutzherr des Arber-Marathons (und fuhr auch selbst mit).
Vor einigen Jahren hat er noch ein neues Hobby entdeckt - das Golf-Spiel. Was ihn daran so fasziniert, ist der Ehrgeiz, seine Technik immer mehr zu optimieren. Er ist immer noch der alte Perfektionist...

Seinen 50. Geburtstag feierte Walter am 7. März 1997 mitten in der Oldtimer-Rallye San Remo, die er auf einem Porsche - wie könnte es auch anders sein - überlegen gewann (sonst hätte er sich auch furchtbar geärgert...).

Seit vielen Jahren steht Walter Röhrl bei Porsche als Testfahrer und Repräsentant unter Vertrag. Er war u.a. maßgeblich beteiligt an der Entwicklung des Porsche Carrera GT.
Über seine heutigen Aktivitäten lesen Sie mehr auf der Seite "Aktuelles".

Wie beliebt Walter Röhrl noch immer ist, zeigt die nicht nachlassende Nachfrage nach Interviews und Fernsehauftritten und die Flut von Glückwünschen zu seinem 60. Geburtstag, von denen Sie viele im Gästebuch lesen können.